Dr. Joachim Klein


Bei der Entgiftung kommt unserer Leber eine zentrale Bedeutung zu. Jede Minute durchströmen 1 bis 2 Liter Blut dieses Organ und werden von endogenen und exogenen toxischen Substanzen befreit, wie z. B. Ammoniak, bakteriellen Toxinen, Schwermetallen, Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, bei der Verdauung gebildeten Fäulnisprodukten sowie Substanzen, für die es im Stoffwechsel keine Abbaumöglich­keiten gibt.

Aber auch Arzneimittel und andere nicht verstoffwechselbare oder giftige Produkte der technischen Umwelt werden von unserer Leber entsorgt. Selbst hochgiftige Substanzen wie Methanol und Cyanid werden bis zu einem begrenzten Teil in unseren Leberzellen inaktiviert und dann mit dem Urin und mit der Gallenflüssigkeit ausgeschieden.

Die Leber verfügt über eine große Zahl unterschiedlicher Entgiftungsmechanismen, wie z. B. Oxidation, Reduktion, Konjugation, Acetylierung und Hydroxylierung, die man als Biotransformation bezeichnet.

Das Prinzip der Entgiftung besteht darin, Giftstoffe bezüglich ihrer Toxizität, ihrer Bindungsfähigkeit und ihrer Löslichkeit so zu verändern, daß sie zu stoffwechselneutralen Ausscheidungsprodukten werden, die dann schadlos über Niere und Darm eliminiert werden können. Diese Biotransformationsreaktionen können jedoch nur solange einwandfrei funktionieren, wie die Leber intakt ist und die Toxine eine gewisse Konzentration nicht überschreiten.

Durch Entzündungen und akute Vergiftungen mit höheren Dosen, aber auch durch länger anhaltende Einwirkung toxischer Substanzen in unterschwelligen Konzentrationen wird die Leberzelle in ihrer Funktion als Biotransformator geschädigt, und es gelangen Giftstoffe in die übrigen Organe des Körpers, wo sie dann Schäden anrichten, so z. B. im Nervensystem, im Immunsystem, in den Nieren, im Blut, in den Sinnesorganen und in der Haut.

Anfangs werden dann unspezifische Symptome wie Schlappheit, Konzentrationsstörungen, depressive oder launenhafte Verstimmungen, Schlafstörungen oder auch zunehmende Müdigkeit beobachtet, die je nach Dauer und Stärke der Vergiftung unterschiedlich ausgeprägt sein können. Bei höheren Konzentrationen oder bei längerer Einwirkung von Giftstoffen treten dann manifeste Erkrankungen auf, wie Lähmungen, Durchfall, Erbrechen, Lungenödem, Atemstörungen, Herzstillstand, Nervenschäden, Zittern, Muskelzucken, Schleimhautentzündungen, Störungen der Blutbildung und des Immunsystems, Krebs, Leberschäden und Niereninsuffizienz.


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